Archetypische Elemente in der Sage
Europäisches Märchen und europäischer Mythos

Die Donau-Nixen haben berühmte Schestern in der europäischen Erzählkultur:

 

Ein berühmtes Nixen-Märchen ist die irische Sage "Cliona´s Wave"( die Welle der Cliona) von Sinéad de Valera. Die Hauptgestalten haben Namen, sodass, wie meistens bei irischen Sagen und Märchen, der Mythos ans Historische grenzt. Viele gemein-europäische Motive sind enthalten.

Die Nixe kündet, wie die weißen Frauen, Unglück an (Siehe "Europäische Erzählkultur, Beispiele" auf dieser Jimdo-Seite). Auch in die Hohe Literatur hat dieses Element Eingang gefunden: Am Schimmel in "Der Schimmelreiter" von Theodor Storm erkennen die Leute, dass ein großes Unglück, die große Flut, kommt.Die Nixe kündet das Unglück des Kindes von König Turlough und Königin Sive an.

König Turlough und Königin Sive wünschen sich lange ein Kind, das endlich geboren wird. Der lang gehegte Kinderwunsch kommt in vielen europäischen Sagen und Märchen vor,  unter anderem in "Schneewittchen" der Gebrüder Grimm.

Ein weiteres häufiges Motiv ist das gestohlene Kind. Die Nixe Cliona stiehlt das Kind des königlichen Ehepaares. In "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" und in "Der starke Hans" der Gebrüder Grimm wird die Hauptgestalt auch als Kind gestohlen.

In "Cliona´s Wave" adoptiert die Königin den Buben Donal, und der geht letztlich seine unbekannte Adoptiv-Schwester suchen. In vielen Märchen ist es die leibliche Schwester, die die Brüder sucht: Beispiele sind "Die sieben Raben" , "Die sechs Schwäne" der Gebrüder Grimm und "Die wilden Schwäne" von H.C.Andersen.

Donal kommt zu einer Insel bedeckt mit Edelsteinen und Juwelen in den Blättern der Ebereschen, die in der Sonne glitzern ("an island covered with emeralds and rubies and gems in the foliage of  rowan trees glistening in the sunshine"). Im Mythos ist die Eberesche, der Vogelbeerbaum, ein heiliger Baum ( http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelbeere ). Donal kommt zu einem sonderbaren, kleinen Haus ("a strange looking house"); wer denkt da nicht an "Hänsel und Gretel"?

Sprechende Vögel, die mehr wissen und weiser sind als die Menschen, ist ein wichtiges Motiv in der europäischen Erzählkultur. Sie kommen in Märchen vor, aber werden schon in der Edda im Nibelungen-Mythos thematisiert. Richard Wagner hat diese Szene im "Ring der Nibelungen" übernommen. Die sprechenden Vögel retten Siegfried das Leben.

In "Clionas Wave" erfährt Donal, dass die Vögel über seine Ziehschwester durch das Königspaar erfuhren, die unter dem Hagedorn-Baum saßen. Der Hagedorn hat wichtige mythische Bedeutung, wie 

http://en.wikipedia.org/wiki/Crataegus

beweist.

Der Mentor kommt immer wieder im Mythos, in Märchen und Sagen vor. Schon in der Odyssee wird Telemachus, der Sohn des Odysseus, von der Göttin Athene in Gestalt eines alten Mannes beraten.

Auch in "Cliona`s wave" berät ein alter Mann Donal. In "Das Wasser des Lebens" der Gebrüder Grimm ist es ein Zwerg, in "Der gestiefelte Kater" und in "Der arme Müllerbursch und das Kätzchen" ist es eine Katze, in "Der goldene Vogel" ein Fuchs. (Siehe auch Archetypen in Märchen, in Sagen, im Mythos und ihre Ausformulierung in der europäischen Erzählkultur" dieser Jimdo-Seite). Helfende Tiere wie in vielen Märchen, in "Cliona´s wave" auch Taube und Eule. Auch Aschenputtel wird von Tauben geholfen. Donal`s Weg zu Ethna ist nicht nur eine schöne Landschaftsbeschreibung, wie die Personen Namen haben gibt es auch geographische Benennungen: Glendore, Carrig Cliona.

Donal darf nicht essen, nicht trinken und nicht sprechen, bis er Ethna befreit hat.

 

 

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x Sinéad de Valera: "Cliona`s Wave" In: Sinéad de Valera: "Irish Fairy Tales" Pan Books Ltd London 1973 Seite 99

x http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Schimmelreiter  12.2.14

x http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Storm    12.2.14

x Gebrüder Grimm: "Schneewittchen" Kinder- und Hausmärchen revised by AnyBody ISBN: 3522147006
Thienemanns Erscheinungsdatum: 1989

x Gebrüder Grimm: "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren" und "Der starke Hans" Kinder- und Hausmärchen revised by AnyBody ISBN: 3522147006
Thienemanns Erscheinungsdatum: 1989

x http://www.maerchen.net/classic/a-wildeschwaene.htm

x Gebrüder Grimm: "Die sieben Raben" ,"Die sechs Schwäne", "Hänsel und Gretel", "Der arme Müllersbursch und das Kätzchen" . "Der goldene Vogel" , "Aschenputtel"  Kinder- und Hausmärchen revised by AnyBody ISBN: 3522147006
Thienemanns Erscheinungsdatum: 1989

x http://en.wikipedia.org/wiki/Crataegus

23.2.14

x http://de.wikipedia.org/wiki/Vogelbeere

23.2.14

"Der gestiefelte Kater" wurde sowohl von Perault als auch von den Gebrüdern Grimm in uhre Sammlungen aufgenommen.

x http://de.wikipedia.org/wiki/Der_gestiefelte_Kater

Die Nixe ist ein archetypisches Bild in der europäischen Erzählkultur.
Nixe im Mythos, Sagen und Märchen

Sagen über Nixen kommen in der europäischen Erzählkultur oft vor. Gemein ist ihnen, dass sie Kontakt mit Menschen suchen, was meistens entweder für den Menschen oder für die Nixe schlecht ausgeht. Man denke an die "Lorelei" von Heine oder "Waldgespräch" von Eichendorf. In dem Märchen  "Die kleine Meerjungfrau" des dänischen Dichters Andersen erleidet die Nixe durch den Kontakt mit Menschen Schaden. In der Ballade "Die schöne Lilofee", die als Volksmärchen gilt, damit also  zur echten Erzählkultur gehört, entscheidet sich die menschliche Lilofee für den Wassermann (eine männliche Nixe) und kann nicht mehr zurück ins Menschenreich. In einem irischen Märchen will der Vater den Sohn abhalten, mit der Nixe Kontakt zu halten, und die Nixe entführt ihn in sein Reich, das dem jungen Burschen mehr entspricht. Dem Vater bleibt der zweite, der tüchtige menschliche Sohn.

 

Bis heute fasziniert die Vorstellung von Menschen im Meer, von Nixen, wie der Film "Arielle" beweist.

Boshaft sind die Nixen nicht. Es ist ihnen nur oft nicht bewusst, dass Menschen im Wasser nicht leben können und sterben müssen, wenn sie sie ungeschützt in ihr Reich entführen.

 

Das Donauweibchen

In der Zeit als Wien noch ein ganz kleines Städtchen war und an der Donau kleine Fischerhütten standen, lebte in einer solchen Behausung ein alter Fischer mit einem erwachsenen Sohn, die dort ihr Handwerk betrieben, wobei sie sich mehr auf dem Wasser, als auf dem Land aufhielten. Nur im Winter, wenn der Donaustrom fest zugefroren war, hausten die beiden Männer in ihrer Hütte, machten neue Netze oder besserten die alten aus, setzten ihre Kähne instand und lebten heiter und zufrieden. Dabei unterhielten sie sich oft von ihren Erlebnissen auf ihren Fischzügen und der Alte wußte von Wassergeistern und Nixen zu erzählen. Auf dem Grunde des Donaustromes sei ein großer Glaspalast, in dem der Donaufürst mit seiner Frau, seinen Söhnen und Töchtern, den zierlichen Nixen, lebe. Auf großen Tischen stünden umgestülpte irdene Töpfe, unter denen die Seelen der Ertrunkenen gefangengehalten werden. Der Neck werde oft als Jäger verkleidet am Stromufer lustwandelnd im Mondenscheine angetroffen, und man dürfe ihn ja nicht ansprechen, wenn man nicht sofort von ihm angegriffen und ins Wasser gezogen sein wolle. Die Nixen seien gar liebliche Mädchen, die aber namentlich junge Männer durch ihren verführerischen Gesang in den Strom lockten. Diese Wassergeister kämen sogar in die Tanzstuben und tanzten bis zum ersten Hahnenschrei. Dann müßten sie aber gleich nach Hause eilen, sonst würden sie von ihrem Vater, dem Neck, furchtbar gestraft oder gar getötet. Sei das Donauwasser des Morgens trübe, so hätten die Nixen Schläge von ihrem Vater bekommen, sei es aber blutig rot, dann lebten sie gar nicht mehr.

Aufmerksam hörte der Sohn den Erzählungen seines Vaters zu, aber er wollte sie nicht recht glauben, denn niemals hatte er solche Wassergeister gesehen. Plötzlich erleuchtete sich die Stube und eine Mädchengestalt in schimmernd weißem Gewande mit weißen Wasserrosen in dem schwarzen Haar stand vor den beiden Männern. "Erschreckt nicht" sagte sie, "ich tue euch nichts zuleide; ich komme nur, euch zu warnen. Bald wird Tauwetter eintreten, das Eis des Stromes wird krachend in Stücke gehen, die Hochflut wird sich über die Auen ergießen. Seid auf Eurer Hut und flieht weit in das Land hinein, sonst seid ihr verloren."

Die beiden Männer wussten nicht, ob sie wachten oder träumten, denn so plötzlich, wie die Wassernixe gekommen war, war sie auch verschwunden. Aber sie hatten sie doch beide gesehen und ihre liebliche Stimme gehört.

Sie glaubten ihr und rasch eilten sie trotz des Schneesturmes in die anderen Fischerhütten und erzählten, was ihnen die Wassernixe gesagt hatte. Schon in wenigen Tagen boten der Donaustrom und seine weiten Auen ein ganz verändertes Bild. Ein großer See war entstanden, aus dem nur die Rauchfänge der Fischerhütten hervorlugten, aber keiner von den Bewohnern dieser Hütten war ums Leben gekommen, denn alle hatten den Rat der guten Nixe befolgt.

Wieder war der Strom in seinen alten Lauf zurückgekehrt und alles war glücklich in der herrlichen Frühlingszeit. Nur der junge Fischer konnte seit dem Tage, als er die Nixe gesehen, nicht mehr den Frieden seines Herzens finden. Sein Vater merkte dies und böse Ahnungen erfüllten ihn.

Am liebsten fuhr nun der Sohn auf seinem Kahne auf dem weiten Donaustrom umher, sah träumerisch über die Wasser, und so traurig und schmerzbeklommen, wie er vom Hause fortging, so traurig kehrte er immer wieder heim. Eines Tages aber erschien er nicht mehr. Weinend saß der greise Vater vor seiner Hütte; sein armer Sohn hatte in den Fluten der Donau den Frieden seines Herzens gefunden und sein Kahn wiegte sich schaukelnd und herrenlos auf der weiten Wasserfläche. Das Donauweibchen hat seither niemand mehr gesehen.

Quelle: Die Sagen und Legenden der Stadt Wien, herausgegeben von Gustav Gugitz, Wien 1952, Nr. 2, S. 1ff
Für SAGEN.at korrekturgelesen von Anja Christina Hautzinger, April 2005.

 

Der Donauweibchenbrunnen 1) in dem im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt gelegenen Teil des Wiener Stadtparks ist einer von sechs Brunnen in dieser Parkanlage.

Der Donauweibchenbrunnen besteht aus einer Steinsäule aus Karstkalkstein, vier angesetzten runden Brunnenschalen und Kopfmasken als Wasserspeier.

Auf der Spitze der Steinsäule steht die Figur des Donauweibchens, einer Sagenfigur, die angeblich notleidenden Fischern half oder sie vor Donauhochwässern warnte. Zu ihren Füßen befindet sich ein kleiner Schild mit dem Stadtwappen von Wien.

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Donauweibchenbrunnen 29.4.13

 

 

Das Donauweibchen

 

Vor vielen, vielen Jahren, als Wien noch ein kleines Städtchen war, lebten einfache Fischersleute am Ufer der wilden Donau. Sie floß damals noch nicht so friedlich in ihrem breiten Bett dahin wie heute. Ihre Wogen teilten sich in zahlreiche Arme, die sich ihren Weg durch dichte Auen und Buschwerk suchten. Kein Damm war da, der im Frühjahr die kleinen Holzhütten der Fischer vor dem gefährlichen Hochwasser geschützt hätte. Es war kein leichtes Leben, das die Fischer hier führten. Den ganzen Sommer über mußten sie fleißig an der Arbeit sein. Den größten Teil des Tages und der Nacht verbrachten sie in ihren Booten auf dem Wasser. Hatten sie einen glücklichen Fang gemacht, gingen sie in die Stadt und verkauften ihre Fische auf dem Markt. Vom Verdienst aber legten sie etwas auf die Seite, damit sie im Winter davon leben konnten.

In einem solchen Dörfchen an der Donau bei Wien lebte auch ein alter Fischer mit seinem Sohn. Dem Vater ging die schwere Arbeit nicht mehr so flink von der Hand wie dem Sohn. Aber weil sie beide fleißig und zufrieden waren, gefiel ihnen das Leben recht gut. Oder war es nicht behaglich, beim knisternden Ofen zu sitzen, während draußen ein eisiger Sturm den Schnee über die zugefrorene Donau trieb? Der Sohn hatte die kleinen Fenster fest vermacht und die geflickten Netze in eine Ecke der Stube gelegt, denn bei dem spärlichen Licht konnten sie doch nicht richtig arbeiten.

„Komm, Vater", sagte der Sohn, „setz dich hier zum warmen Ofen. Es ist Winter, da eilt die Arbeit nicht so sehr."

„Du hast recht", erwiderte der Greis, „wir wollen Feierabend machen für heute. Leg noch ein ordentliches Scheit auf, damit das Feuer anhält."

Die Funken stoben, als der Sohn ein großes Aststück in die Flammen warf.

„Nun, Vater, erzähl eine von den vielen Geschichten, die du weißt, damit uns die Zeit nicht langweilig wird."

Da erzählte der alte Fischer gar sonderbare Dinge von Wassergeistern und Nixen, die der Sohn gar nicht recht glauben wollte. Mahnend sprach der alte Fischer zu ihm: „Du bist zwar groß und stark und ein tüchtiger Fischer, aber du bist noch jung und hast nicht soviel erlebt wie ich." Du darfst nicht lachen über das, was ich dir erzähle und was dir jeder alte Fischer bestätigen kann. Manch einer ist nicht mehr unter uns, weil die Geister der Donau ihn zu sich geholt haben. Am Grunde des Donaustromes, da steht ein mächtiger Palast. Er ist ganz aus grünem Glas und gehört dem Donaufürsten, der darin mit seiner Frau und seinen Kindern lebt. Auf großen Tischen stehen umgestülpte irdene Töpfe, darinnen halten sie die Seelen der Ertrunkenen
gefangen. Der Donaufürst ist ein mächtiger Geist. Es gibt einige in unserem Dorf, die ihn in einer Mondnacht schon gesehen haben. Er hat die Gestalt eines Jägers und liebt es, am Ufer der Donau spazieren zu gehen. Wehe dem Fischer, der ihn anspricht. Er wäre unrettbar verloren, Denn mit starkem Griff packt er ihn und zieht ihn in die Tiefe des reißenden Stromes hinab.

Auch mit seinen Töchtern, den zierlichen Nixen, ist er grausam streng. Nur mit List gelingt es ihnen, dem unterirdischen Palaste zu entfliehen und sich unter die Menschen zu mengen. In windstillen Sommernächten kannst du ihren Gesang hören, mit dem sie die jungen Leute anlocken. Du kannst sie aber auch in den Tanzstuben treffen und wirst sie kaum von den übrigen Mädchen unterscheiden können. Wenn aber der Hahn zum ersten Mal kräht, sind sie verschwunden und kehren schleunigst in ihren Palast zurück. Wenn sie sich
nur ein wenig verspäten, erhalten sie grausame Schläge von ihrem Vater. Es mag wohl auch geschehen, daß er sie auf der Stelle totschlägt. Dann ist am nächsten Tag das Wasser der Donau blutig rot. Während der Vater erzählte, schüttelte der Sohn immer wieder ungläubig den Kopf. „Sei mir nicht böse, Vater", sagte er endlich, „deine Geschichten sind zwar recht kurzweilig und ich höre sie immer wieder gerne, aber glauben kann ich all das nicht, was du erzählst. Ich habe schon viele Nächte auf der Donau zugebracht, aber noch
nie den Donaufürsten oder eine seiner Töchter gesehen."

Da wurde es mit einem Schlage hell in der Stube, und im Türrahmen stand eine schlanke Mädchengestalt von überirdischer Schönheit. Um ihren zierlichen Körper floß ein langes, weißschimmerndes Kleid, ihr schwarzes Haar zierten weiße Wasserlilien. Erschrocken waren Vater und Sohn von ihren Sitzen aufgesprungen. Unverwandt starrten sie in das gütige Gesicht der Erscheinung. „Fürchtet euch nicht vor mir", sagte sie, ich tue euch nichts zuleide. Ich komme nur, um euch zu warnen, denn bald wird Tauwetter kommen und das Eis krachend in Stücke gehen. Das Hochwasser wird die Auen und Dörfer überfluten und eure Häuser bedrohen. Fliehet daher weit ins Land hinein, sonst seid ihr alle verloren! Kaum hatte sie dies gesprochen, war die holde Gestalt auch schon verschwunden. Die beiden Fischer aber überlegten keinen Augenblick, sondern liefen trotz des eisigen Sturmes zu den einzelnen Hütten und verständigten die Leute. „Das war das Donauweibchen", sagte ein alter Fischer, „immer, wenn unseren Hütten Gefahr droht, kommt es und warnt uns. Packt schnell das Nötigste und laßt uns fliehen!"

So kam es, daß die Fischerhütten alle leer standen, als nach wenigen Tagen wirklich Tauwetter einsetzte und die riesigen Wassermassen über die Ufer traten und alles ringsum überschwemmten. Nach einigen Wochen ging das Wasser wieder zurück, und die Fischer kehrten an ihre alten Wohnplätze zurück.

Rüstig bauten sie ihre Hütten wieder auf, und die Freude über die Errettung des Dorfes vor dem sicheren Tod war groß. Nur der junge Fischer konnte sich nicht recht mitfreuen. Seit er das Donauweibchen gesehen hatte, war er vor lauter Sehnsucht nach dem schönen Geschöpf der Donau ganz außer sich. Er konnte nicht mehr lachen und scherzen, wie die anderen Burschen des Dorfes, sondern ruderte traurigen Herzens weit mit seinem Kahn in die offene Donau hinaus. Sein Vater wußte, was das zu bedeuten hatte, und er sprach oft mit
seinem Sohn, um ihn auf andere Gedanken zu bringen. Aber alles war umsonst, er konnte den Sinn seines Sohnes nicht mehr ändern.

Eines Tages kam der junge Fischer von seiner Fahrt nicht mehr zurück. Nur sein leerer Kahn wurde von den Wellen an das Ufer getragen. Da wußte der Greis, daß das Donauweibchen seinen Sohn zu sich geholt hatte, und er weinte bitterlich.

Das Donauweibchen aber hat seit diesem Tage niemand mehr gesehen.

 

Quelle: Wien in Sage und Legende, Zens, Klemens, Wien 1955


http://www.sagen.at/texte/sagen/oesterreich/wien/sagen_legenden_gugitz/donauweibchen.html

Agnete aus der europäischen Erzählkultur
Agnete in Sage und Mythos

Die Nixe vom Strudengau1)

 

Im Strudengau, wo sich die Donau früher durch ein enges, bewaldetes Tal zwängen musste, toste und brauste der Fluss über spitze Felsen und wand sich in gefährlichen Strudeln und Untiefen. Dort lebte ein junger Fährmann. Eines Tages nahmen drei Bauernburschen seine Dienste in Anspruch, die schon viel zu tief ins Glas geschaut hatten. Es war nicht einfach, diese grölende Bande im Zaum zu halten, die der ohnehin schon schaukelnden Reise noch eins drauf setzten. Bei ihrer Überfahrt entdeckten sie eine Nixe, die sich auf einer Sandbank sonnte. Die drei Betrunkenen spotteten und riefen der Seejungfer böse Beschimpfungen zu. Das war dem Seemann zu viel und er drohte: "Wenn ihr nicht sofort damit aufhört, ziehe ich euch eines mit meinem Ruder über!" Die Drei wussten sofort, dass es ernst gemeint war, und getrauten sich kein Wort mehr zu sagen. Zu dieser Zeit herrschte Krieg im Lande. Eines Nachts, als draußen ein wütender Sturm tobte,klopfte es an der Tür des Fährmanns. Eine vornehme Frau mit drei Kindern trat ein, sie war auf der Flucht vor dem Feind und wollte auf die andere Seite der Donau. Der Fährmann holte sein Boot. Fast hätten sie die Überfahrt nicht geschafft, der starke Wind beutelte das kleine Schiffchen und der Fährmann konnte das andere Ufer in der Dunkelheit kaum mehr ausmachen. Da rief plötzlich eine geisterhafte Stimme: "Hier! Hier musst du hin!" Blind vertraute er diesem Ruf und tatsächlich konnte er die Frau mit ihren Kindern sicher übersetzen. Auf der Rückfahrt wurde der Sturm noch stärker und der Fährmann hatte schon mit seinem irdischen Dasein abgeschlossen, als auf einmal eine schimmernde Frauengestalt auf seinem Boot stand. Sie berührte eines der Ruder und das Boot zog sich wie von selbst an das rettende Ufer. Das war der Dank der Donaunixe, die nicht vergessen hatte, wie der gutherzige Mann sie vor den polternden Bauern beschützt hatte. Und auch die Mutter der drei Kinder vergaß seine tapfere und selbstlose Tat nicht: Als sie nach dem Krieg zurück kommen konnte, belohnte sie den Fährmann reichlich, so dass er von nun an ein angenehmes Leben führen konnte.

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1) Hammermüller, Peter: "Sagebhaftes Österreich" Verlag Ueberreuter Wien 2004 Seite 28

Von den Nixen ist behauptet worden, sie seien nichts als Männer-Fantasien.1) Das gilt wohl erst für die Rezeption ab dem 19. Jahrhundert, und ab dem 20. Jahrhundert wurden diese „Männer-Fantasien" auch wieder in Frage gestellt. Ursprünglich waren diese Wassermenschen wohl diese wild lebenden Wesen, wie sie in Märchen und Sagen und im Mythos vorkommen. Man stelle sich ein mit einem Seehund um die Wette schwimmendes Mädchen vor! Schon früh thematisierte man in der europäischen Erzählkultur den Zusammenstoß von Lebensweisen, der da geschehen sein muss, wie es in der Volksballade

"Die schöne Lilofee" (auf dieser Jimdo-Seite) passiert.

In "Die kleine Meerjungfrau" 2) lässt Andersen dem Meermädchen durch extra Verdienste am Menschen die Chance auf den christlichen Himmel.

 

Johann Wolfgang von Goethe

Der Fischer 1)

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
ein Fischer saß daran,
sah nach dem Angel ruhevoll,
kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
teilt sich die Flut empor;
aus dem bewegten Wasser rauscht
ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
Was lockst du meine Brut
mit Menschenwitz und Menschenlist
hinauf in Todesglut?
Ach wüsstest du, wie's Fischlein ist
so wohlig auf dem Grund,
du stiegst herunter, wie du bist,
und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
nicht her in ew'gen Tau?

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
netzt' ihm den nackten Fuß
sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll,
wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
da war's um ihn geschehn:
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
und ward nicht mehr gesehn.

(1778)

In Goethes Ballade "Der Fischer" klingt schon der Naturschutzgedanke an:
Was lockst du meine Brut
mit Menschenwitz und Menschenlist
hinauf in Todesglut?

Einen ähnlichen Gedanken finden wir in "Der Alpenjäger" von Schiller. Hier handelt es sich allerdings nicht um eine Nixe, sondern um einen Berggeist.

Schacherreiter2) unterstellt, dass Goethes Ballade Männerphantasien darstellt. Dem widerspricht Goethe selbst: Goethe sagte  über seine Ballade: „Es ist in dieser Ballade bloß das Gefühl des Wassers ausgedrückt, das Anmutige, was uns im Sommer lockt, uns zu baden; weiter liegt nichts darin.“ 1)

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1) http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fischer 25.4.13

2)  Schacherreiter, Christian: „Das Literaturbuch“  Veritas-Verlag  Linz 2008 Seite 171ff

Schiller

Der Alpenjäger

 

Willst du nicht das Lämmlein hüten?

      Lämmlein ist so fromm und sanft,

Nährt sich von des Grases Blüten,

      Spielend an des Baches Ranft.

»Mutter, Mutter, lass mich gehen,

Jagen nach des Berges Höhen!«

 

Willst du nicht die Herde locken

      Mit des Hornes munterm Klang?

Lieblich tönt der Schall der Glocken

      In des Waldes Lustgesang.

»Mutter, Mutter, lass mich gehen,

Schweifen auf den wilden Höhen!«

 

Willst du nicht der Blümlein warten,

      Die im Beete freundlich stehn?

Draußen ladet dich kein Garten,

      Wild ists auf den wilden Höhn!

»Lass die Blümlein, lass sie blühen!

Mutter, Mutter, lass mich ziehen!«

 

Und der Knabe ging zu jagen,

      Und es treibt und reißt ihn fort,

Rastlos fort mit blindem Wagen

      An des Berges finstern Ort,

Vor ihm her mit Windesschnelle

Flieht die zitternde Gazelle.

 

Auf der Felsen nackte Rippen

      Klettert sie mit leichtem Schwung,

Durch den Riss geborstner Klippen

      Trägt sie der gewagte Sprung,

Aber hinter ihr verwogen

Folgt er mit dem Todesbogen.

 

Jetzo auf den schroffen Zinken

      Hängt sie, auf dem höchsten Grat,

Wo die Felsen jäh versinken

      Und verschwunden ist der Pfad.

Unter sich die steile Höhe,

Hinter sich des Feindes Nähe.

 

Mit des Jammers stummen Blicken

      Fleht sie zu dem harten Mann,

Fleht umsonst, denn loszudrücken

      Legt er schon den Bogen an.

Plötzlich aus der Felsenspalte

Tritt der Geist, der Bergesalte.

 

Und mit seinen Götterhänden

      Schützt er das gequälte Tier.

»Musst du Tod und Jammer senden«,

      Ruft er, »bis herauf zu mir?

Raum für alle hat die Erde,

Was verfolgst du meine Herde?«

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1)      1) Schacherreiter, Christian: „Das Literaturbuch“  Veritas-Verlag  Linz 2008 Seite 171ff

2) http://de.wikipedia.org/wiki/Die_kleine_Meerjungfrau_%28M%C3%A4rchen%29  20.4.13

Im Mythos, in Sagen und Märchen, vor allem in irischen Märchen: Nixen im Seehundkleid
Nixen im Seehundkleid in Sagen und Märchen
Meer, Seehund, Nixe im Mythos, in Sagen und Märchen
Wassermenschen im Seehundkleid im Mythos, in Sagen und Märchen

Sagenhafte und märchenhafte Menschen, die am Wasser wohnen, treten im Mythos nicht nur als Nixen auf, sondern als gestaltwandelnde Tiere: sehr oft, vor allem im irischen Märchen als Schwäne oder als Seehunde oder sogar als Fische wie in „Fior Usga“1). Wenn man ihnen in menschlicher Gestalt das Tierkleid wegnimmt, können sie in ihr Reich nicht zurück. Wenn sie ihr Kleid eventuell finden, verlassen sie meistens auch geliebte Menschen wie eigene Kinder, die sie mit dem Menschenpartner haben, für immer. Archetypisch deutbar ist das so, dass der Wechsel von Kulturen wohl nicht so einfach ist. Allerdings nimmt in Goethes Ballade2) "Der Totentanz“ der Friedhofswärter einem Toten das Totenhemdchen weg, der daraufhin sein Grab nicht mehr findet. Der Totenwächter entgeht gerade noch einer schrecklichen Strafe. Hier wurde wohl nur das Märchenmotiv übernommen, wahrscheinlich über eine Volks-Sage.

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1)      1) Croker, Crofon: „Fior Usga“ In: McGarry, Mary: "Great Folk Tales of Old Irelansd"  Wolfe Publishing Limited London 1972. Seite 17ff
2) http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Totentanz_%28Ballade%29

2)

 

 

Dichter der europäischen Erzählkultur haben die Idee der Wassermenschen genommen, um Konflikte mit verschiedenen Lebensweisen darzustellen:

Agnes Miegel

Schöne Agnete

Als Herrn Ulrichs Wittib in der Kirche gekniet,
da klang vom Kirchhof herüber ein Lied.
Die Orgel droben, die hörte auf zu gehen,
die Priester und die Knaben, alle blieben stehen,
es horchte die Gemeinde, Greis, Kind und Braut,
die Stimme draußen sang wie die Nachtigall so laut:

„Liebste Mutter in der Kirche, wo des Mesners Glöcklein klingt,
liebe Mutter, hör, wie draußen deine Tochter singt!
Denn ich kann ja nicht zu dir in die Kirche hinein,
denn ich kann ja nicht mehr knien vor Mariens Schrein,
denn ich hab ja verloren die ewige Seligkeit,
denn ich hab ja den schlammschwarzen Wassermann gefreit.

Meine Kinder spielen mit den Fischen im See,
meine Kinder haben Flossen zwischen Finger und Zeh.
Keine Sonne trocknet ihrer Perlenkleidchen Saum,
meiner Kinder Augen schließt nicht Tod noch Traum - -

Liebste Mutter, ach ich bitte dich,
liebste Mutter, ach ich bitte dich flehentlich,
wolle beten mit deinem Ingesind
für meine grünhaarigen Nixenkind,
wolle beten zu den Heiligen und zu Unsrer Lieben Frau
vor jeder Kirche und vor jedem Kreuz in Feld und Au!
Liebste Mutter, ach ich bitte dich sehr,
alle sieben Jahre einmal darf ich Arme nur hierher.
Sage du dem Priester nun,
er soll weit auf die Kirchentüre tun,
dass ich sehen kann der Kerzen Glanz,
dass ich sehen kann die güldne Monstranz,
dass ich sagen kann meinen Kinderlein,
wie so sonnengolden strahlt des Kelches Schein!“

Die Stimme schwieg. Da hub die Orgel an,
da ward die Türe weit aufgetan, -
und das ganze heilige Hochamt lang
ein weißes weißes Wasser vor der Kirchentüre sprang.

 

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1) http://ingeb.org/Lieder/alsherrn.html 24.04.2013

 

 

 

Volksdichtung

Die schöne Lilofee

Es hat ein König ein Töchterlein.
Wie hieß es denn mit Namen sein?
Die schöne Lilofee.

Ein Nickehnann freite so lang um sie
und hätte so gerne, er wusste nicht wie,
die schöne Lilofee.

Da ließ er von Gold eine Brücke aufstehn,
darauf sollte sie spazierengehn,
die schöne Lilofee.

Und als sie auf die Brücke sprang,
die Brücke ins tiefe Wasser sank
mit der schönen Lilofee.

Sie war dadrunten sieben Jahr,
sieben junge Söhne sie gebar,
die schöne Lilofee.

Und da sie bei der Wiege stand,
da hörte sie einen Glockenklang,
die schöne Lilofee.

»Ach Nickelmann, lieber Nickelmann,
lass mich noch einmal zur Kirche gahn,
mich arme Lilofee.«

Und als sie auf den Kirchhof kam,
da neigte sich Laub und grünes Gras
vor der schönen Lilofee.

Und als sie in die Kirche kam,
da neigte sich Graf und Edelmann
vor der schönen Lilofee.

Der Vater machte die Bank ihr auf,
die Mutter legte das Kissen drauf
der schönen Lilofee.

Als sie sich wieder nach Hause gewandt,
ihr Vater, ihre Mutter nahmen sie bei der Hand,
die schöne Lilofee.

Sie führten sie oben an ihren Tisch
und setzten ihr auf gebackenen Fisch,
der schönen Lilofee.

Und als sie den ersten Bissen aß,
sprang ihr ein Apfel auf den Schoß,
der schönen Lilofee.

»Ach liebe Mutter, seid so gut,
werft mir den Apfel in Feuersglut,
mir armen Lilofee.«

Da löschte ein Wasser das Feuer aus,
der wilde Nickelmann sprang heraus,
vor die schöne Lilofee.

»Ei willst du mich hier verbrennen sehn,
wer wird denn unseren Kindern beistehn,
du böse Lilofee?«

»Die sieben Kinder, die teilen wir,
nimmst du ihrer drei, nehm ich ihrer vier,
ich arme Lilofee.«

»Nehm ich ihrer drei, nimmst du ihrer drei.
Das siebente wollen wir teilen gleich,
du schöne Lilofee.

Nehm ich ein Bein, nimmst du ein Bein,
daß wir einander gleiche sein,
du schöne Lilofee.«

»Und eh ich mir lass mein Kind zerteilen,
viel lieber will ich im Wasser bleiben,
ich arme Lilofee.«

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  http://gutenberg.spiegel.de/buch/4557/13

Wasserfrauen, die ihr Schwanenkleid oder ihr Seehundkleid wiederfinden, haben so die Möglichkeit, ihre menschliche Familie zu verlassen und ins Wasser zurückzukehren. Auch Salige verlassen ihre menschliche Familie, wenn sie drei Mal beleidigt worden sind. Aber die meisten kümmern sich irgendwie um ihre Kinder, die dann berühmte Ärzte werden.

In Gebrüder Grimm "Die Wasser-Nixe" ist die Wasser-Jungfrau böse.1)

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1) Gebrüder Grimm "Die Wasser-Nixe" In: Gebrüder Grimm: "Kinder-und Haus-Märchen" ISBN: 3522147006
Thienemanns
Erscheinungsdatum: 1989